Jade Regent

Die Reise nach Westen III

Es begab sich, dass die Familie Amatatsu die Raureifrennergilde von Karlsgard als ein übles Nest von Banditen enttarnen konnte, das sich wie eine Spinne im Zentrum aller bisher erfahren Hindernisse befand. Die in der Gilde vorgefundenen Geschäftsberichte legten nahe, dass die korrupte Gildenmeisterin Thorborg Silverskorr vor nicht allzu langer Zeit das tief im Grungirwald gelegen Anwesen des Piraten Snorri Steinauge erworben hatten. Derselbe Snorri Steinauge der vor kurzen auf seinem brennenden Schiff in der Bucht von Karlsgard entsorgt wurde und eben jener Grungirwald, bei dessen Kartographierung Ulf Gormundr spurlos verschwunden war, seinerseits der letzte nicht gewerkschaftlich gebundene Reiseführer über das Dach der Welt. Es bedurfte keiner großen Verstandesleistung, um zu dem Schluss zu kommen, dass die Halle des verblichenen Piraten das eigentliche Versteck der Gefrorenen Schatten war; jener Banditenorganisation, die sich hinter der Raureifrennergilde versteckte, das Familienschwert Shushien gestohlen hatte und Ulf Gormundr entweder gefangen hielt oder vielleicht mittlerweile schon auf den Gewissen hatte. Schnell bereiteten sich die jungen Helden auf das neue Abenteuer vor und erreichten von Hungerkrämpfen geplagt und von Erschöpfung ausgezehrt nach zweitägigem Ritt die Halle von Snorri Steinauge. Das Anwesen befand sich auf der Spitze einer steilen Klippe und war nur durch eine unsichere Treppe zu erreichen. Über die örtlichen Gegebenheiten vorgewarnt setzten die Amatasus ihre mitgebrachten Flugtränke ein, um über das Dach des zum Anwesen gehörenden einsamen Turmes einzusteigen. Im Turm mussten sie sich der rabenhaften Tengu-Ninjas der Gefrorenen Schatten erwehren, angeführt durch jenen rotgefiederten Raben, den die Thronerben im Verdacht hatten sie schon seit ihrer Ankunft im Land der Nordmänner auszuspionieren. Mit ihren vergifteten Blasrohrpfeilen waren die Wachen des Turmes zwar kein leichtes aber auch kein unüberwindliches Hindernis, im Gegensatz zu dem Schwarm aus Höllenwespen, der durch eine Unachtsamkeit von Cousine Ese im Alchemielabor der Banditen freigesetzt wurde. Die Amatatsus überließen die Banditen der Gefrorenen Schatten dem Hunger ihrer Haustiere und flüchteten in dem sich ausbreitenden Chaos aus dem Anwesen. Sie kehrten erst einige Tage später zurück, um mit jenen Ninjas kurzen Prozess zu machen, die den Wespenschwarm überlebt hatten. Tatsächlich fand sich in der Halle nur noch geringer Widerstand vor und die Helden konnten so mit Leichtigkeit den Gefangenen der Banditen aus seiner Zelle am Fuß des Turms befreien. Zu ihrer Überraschung fanden sie jedoch nicht Ulf Gormundr sondern einen alten Bekannten vor, nämlich niemand anderen als Lute Haggersbi. Lute Haggersbi war ein Händler, den die letzten Sprösslinge der Amatasu Familie auf ihren Weg Richtung Karlsgard getroffen hatten. Seine Karawane war von einem schlechten Geschick heimgesucht worden und er benötigte etwas Unterstützung, um an sein Ziel zu gelangen, welche die jungen Helden gegen einen geringen Unkostenbeitrag auch gewährten. Danach trennten sich die Wege und der unglückliche Lute ließ sich mit der Raureifrennergilde ein. Er beging den folgenreichen Fehler einer Einladung zur Aufsichtsratssitzung nach Ravenskregg zu folgen und sich dort allzu laut über die Geschäftsbedingungen zu beschweren; darauf vertrauend, dass er es hier mit einer gewöhnlichen Gilde von Reiseführern zu tun hatte. Ehe er sich versah landete er in einem Verließ und wurde dort nicht gerade sanften verhören unterzogen. So tragisch dies auch war, erfuhren die jungen Helden doch nichts von Lute was sonderlich hilfreich war. Bis auf eine Sache. Der ausgezehrte und sicherlich von Wahnvorstellungen geplagte Händler schwor bei allen Göttern, dass er in seiner Gefangenschaft eines Tages von einem Menschenfresser, einem Oger, besucht wurde. Kaum hatte er seine Zelle wieder verlassen hörte er von draußen jedoch die Stimme von niemand anderen als Thorborg Silberskorr, wie sie mit ihren Schergen plauderte! Konnte es tatsächlich sein? Für einen endlos langen Moment trafen sich die schicksalsschweren Blicke der Amatasu Kinder und wanderten dann in Richtung der Kellertreppe, während ein Schatten über ihre Gruppe viel und in der Ferne eine Krähe hämisch zu kreischen schien. Dann rollte Kai mit den Augen, Ionacu tippte sich an die Stirn und Lu nickte mit verzeihendem Langmut während Cousine Ese schon die Hand an die Klinke legte.

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Flo

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