Jade Regent

Reisetagebuch von Ionacu Kaijitu

Tag 1
Nach unserer Erstürmung von Rabenskreg und unserer Befreiung von Ulf haben wir noch zwei Wochen in Kalsgard verbracht. Zwei Wochen, die wir damit verbracht haben Vorräte einzukaufen, neue Zugtiere zu beschaffen und die Wage Winterfest zu machen. Zwei Wochen voller faszinierender Abende und Nächte. Ich habe rasch gemerkt, wenn man den Leuten erzählt, dass man im Winter über die Krone der Welt will, sie sehr redselig werden. Ich lauschte zahllosen Geschichten, Sagen und Mythen betreffend diese arktische Welt, den Pfad von Agenhei und der fremden Welt von Tian Xia. Aber auch die Frauen ließen sich leicht beeindrucken von der Tapferkeit dieses Unterfangens und meinen traurigen Augen – „Vielleicht werden dies meine letzten Nächte sein, in denen ich die Wärme einer Frau empfangen kann“ – und so verbrachte ich nicht eine Nacht alleine. Vielleicht sollte ich öfter über die Krone der Welt reisen.

Tag 2
Ich habe angefangen mich mit unseren beiden neuen Fahrern anzufreunden: Hans ist ein junger Mann aus Kalsgard, der sechste Sohn einer großen Familie von Fahrern. Er hat bei seinem Vater gelernt und es ist seine erste große Reise. Er ist sichtlich aufgeregt, freut sich aber darauf diese fremden Länder zu sehen. Außerdem wird das Gehalt dazu reichen seinen ersten eigenen Wagen zu kaufen. Er möchte ganz groß ins Karawanengeschäft einsteigen. Der sympathische Junge kann außerdem sehr gut mit seiner Knochenflöte umgehen. Gut zu wissen, dass wenigstens einer der mitreisenden einen Sinn für Musik und Kunst hat. Sigewulf ist da ein ganz anderes Kaliber. Auch wenn er noch nie über die Krone der Welt gefahren ist, ist er ein erfahrener Wagenlenker. Mehr noch: Es soll seine letzte Fahrt vor dem Ruhestand werden. Er ist oft zwischen den Lindwurmkönigreichen und Irrisen hin und her gefahren und kennt sich mit Übernatürlicher Kälte und Monstern aus. Leider scheint es so, als würde er nicht gerne darüber sprechen.

Tag 20
Wir haben die befestigte Stadt Turvik erreicht. Sie ist die nördlichste Siedlung auf unserem Weg, die sich noch im Reich der Lindwurmkönigreiche befindet. Sie liegt auch am Fuße der Sturmspeerhügel; unserem ersten großen Hindernis auf der Reise nach Norden. In und hinter den Hügel liegt das Riesenreich Urjuk. Dieses hügelige Reich ist die Heimat von Frostriesen. Ulf hat uns jedoch versichert, dass wir in Sicherheit sind, solange wir den Pfad von Agenhei nicht verlassen. Wir benutzen unseren Aufenthalt in Turvik um unsere schwindenden Vorräte wieder aufzustocken und Informationen über den vor uns liegenden Weg zu erhalten. Die Karawane erregt Aufmerksamkeit – niemand der bei Sinnen ist, reist jetzt noch über die Krone der Welt. Daher geben wir vor auf einer Pilgerfahrt zu sein, welche keine Verzögerung erlaubt.

Tag 30
Die Reise durch die Sturmspeerhügel ist beschwerlich, aber ereignislos. Es hat sich eine triste Routine in der Karawane eingestellt und ich frage mich, wie das noch 150 weitere Tage so laufen soll, ohne dass wir uns gegenseitig an die Kehle springen. Es ist zudem kalt geworden. Es liegt eine geschlossene Schneedecke, der Atem dampft vor unseren Mündern und wir sind nur mehr in unseren dicken Jacken unterwegs. Ich bin froh, mein Nachtlager mit Kelda teilen zu können. Neben einer Abwechslung vom täglichen Allerlei bietet ihr Körper auch noch eine angenehme Wärme, mit der wir gut durch die Nacht kommen.

Tag 34
Heute haben wir die unsichtbare Grenze von Urjuk hinter uns gelassen. Wir haben das Reich der Riesen passiert, ohne auch nur einen einzigen Riesen gesehen zu haben. Diese Erkenntnis ist gleichsam erfreulich, wie enttäuschend. Nichts verdeutlicht die Monotonie der Reise besser als der Wunsch nach der Begegnung mit einer riesigen, tödlichen Bestie. Es wird wahrlich Zeit für etwas Abwechslung! Der Höhepunkt eines jeden Tages ist immer noch das abendliche beisammensitzen am Feuer. Abwechselnd erzählen wir uns Geschichten – vor allem Ulf und ich versuchen uns mit immer bizarreren Anekdoten über die Krone der Welt und ihre Geschichte zu übertrumpfen. Insbesondere Ulfs Erzählung zu den Namenlosen Spitzen, die sich tief oben im hohen Eis verbergen, haben einige Aufmerksamkeit erregt. Lu hat vorgeschlagen – ich bin mir nicht sicher wie ernst er es meinte – unsere Route zu verändern und diesen Spitzen einen Besuch abzustatten. Um ihnen einen Namen zu geben, wie er meinte. Wir konnten ihn darauf vertrösten, die Spitzen bei unserer Rückreise genauer zu inspizieren. Hoffentlich, hat er es bis dahin vergessen.

Tag 45
Es wird etwas wärmer – nicht viel, aber doch. Immer noch liegt eine durchgehende Schneedecke und immer noch sind die Wägen morgens mit einer dicken Schicht Eis bedeckt. Doch die zahlreichen Bäche und Flüsse der Seenplatte von Hasanaliat sind warm genug um einige Pflanzen auch bei dieser Kälte wachsen zu lassen, vor allem aber, um größere Tiere anzulocken. Unsere Jäger, welche die Karawane stetig umkreisen wie Motten das Licht, bringen jeden Abend reichlich Wild mit ins Lager. Dadurch steigt auch die Stimmung unter den Reisenden. Lagertha hat angefangen sich von Koja die Karten legen zu lassen, auch wenn sie selbst nicht an die Turmkarten glaubt. Die Fahrer und ich verwenden die Turmkarten zum Spielen. Die Einsätze jede Nacht betragen nur wenige Kupfermünzen, aber sie tragen dazu bei, dass wir uns erfolgreich die Zeit vertreiben können. Dennoch muss ich aufpassen, dass ich Hans am Ende der Reise nicht halb Minkai schulde.

Tag 47
Vor einigen Tagen warnte uns Koja, dass wir einen fremden Wanderer treffen würden. Heute war es soweit. Ein einsamer Erutaki Fallensteller kam uns entgegen. Er warnte uns davor, dass er weiter nördlichen die Spuren von Walddrakas gesehen hatte. Wir dankten ihm für diese Information und zogen weiter – nach den Bestien Ausschau haltend.

Tag 49
Was für eine Scheiße! Von wegen Walddrakas! Keine Spur war von diesen drachenähnlichen Kreaturen zu sehen. Dafür wurden wir bei einer Flussquerung von riesigen Fischen attackiert. Fische so groß wie unsere Ochsen, an denen sie besonderes Interesse zeigten. Während das erste unserer Tiere fast im Maul eines dieser Fische verschwand überkam mich die Erkenntnis, dass wir kein einziges Ersatztier dabei hatten. Aber das war ein Problem, um das wir uns später kümmern mussten. Zuerst ging es darum die bestehenden Tiere zu retten. Dafür musste fast Cousin Ese sterben, dem wir keinen entsprechenden Schutz geben konnten. Tut mir leid Cousin – aber in diesem Moment waren die Tiere wirklich wichtiger. Und du hast es doch überlebt…

Tag 54
Unsere Späher haben direkt neben der Straße eine einsame Hütte gefunden – im Inneren brennt ein Feuer und es sind Stimmen zu hören. Wir beschließen hier unser Lager aufzuschlagen und die Gastfreundlichkeit der Erutaki auszunutzen. Leider war es schlussendlich doch keine so gute Idee. Die Hütte entpuppte sich als Hinterhalt einer alten, untoten Hexe samt ihrer Irrlicht-Begleiter. Nach hartem Kampf hatten wir die Hütte dann aber für uns und ich konnte den anderen die Geschichte der alten Maguyu erzählen: Jahrelang suchte sie die Gegend heim, verkleidete sich als Fallensteller und freundete sich mit Reisenden an, um sie dann zu kochen und zu essen. Einige Jahre zuvor jedoch, war ein Jäger jedoch zu schlau für die Tricks der Vettel gewesen. Er schaffte es sie zu überrumpeln, zu erschlagen und er verbrannte ihren Körper. Aber trotzdem kam die Alte Maguyu zurück und erhob sich als Hexenfeuer, um ihre Schreckensherrschaft wiederaufzunehmen. Vielleicht haben wir ihr jetzt endgültig den Gar aus gemacht, oder aber wir haben der Geschichte nur ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Wer weiß?

Tag 55
Wieder hat uns Koja die Karten gelegt und uns gewarnt, dass eine schwere Prüfung vor uns läge. Als wüssten wir das nicht! Die Überquerung der Krone der Welt würde wohl kaum ein Zuckerschlecken werden. Warum konnten die Voraussagen von Kartenlesern nicht etwas genauer sein!

Tag 62
Gestern erreichten wir den Taraska-Fluss und begannen damit eine Furt zu suchen. Es dauerte auch nicht lange – aber auch mit einer Furt war die Durchquerung des reißenden Flusses alles andere als einfach. Wir rasteten am südlichen Ufer des Flusses und bereiteten Zauber vor, die uns für die Überquerung hilfreich sein würde. So war es dann auch ein leichtes, die Karawane überzusetzen. Auch wenn die fliegenden und auf dem Wasser laufenden Ochsen etwas irritiert waren. Aber ich denke, daran werden sie sich schon noch gewöhnen. Wird schließlich nicht unsere letzte Flussdurchquerung gewesen sein. Nach der Durchquerung (oder sollten wir sagen, Überquerung?) begannen wir damit dem Fluss Richtung Osten zu folgen. War das die schwere Prüfung, vor der uns Koja gewarnt hat?

Tag 70
Unsere langweiligen Reise gab es heute endlich wieder Abwechslung. Unsere Späher entdeckten eine große Herde Moschusochsen. Wir beschlossen einen Tag Rast zu machen und unsere Trockenvorräte durch frisches Fleisch aufzustocken.

Tag 71
Bei den Göttern. Ich glaube ich werde Vegetarier. Die Tundra liegt voll von abgeschlachteten Tieren. Lagertha watete faktisch durch Blut. Und Kelda überlegt ernsthaft ob sie ihren Schlachtennamen – Ochsenschlächter – abgeben soll. Was für ein Massaker. Lu meinte, als er die tote Herde sah, scherzhaft: „Hoffentlich hat die niemandem gehört.“
Nachtrag: Heute Nacht hat sich der Besitzer der Herde bei uns gemeldet. Ein Ettin mit seinen zwei Braunbären stürmte wütend unser Lager. Letztendlich erging es ihm aber nicht besser als seiner Herde. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir das leidtut. Er hatte uns ja eigentlich nichts getan – und es war alles andere als nett von uns, seine Herde so abzuschlachten.

Tag 72
Wir mussten unseren Aufenthalt um einen Tag verlängert. Der Ettin hat einen der Wägen schwer beschädigt und es dauerte einen ganzen Tag, bis wir ihn wieder fahrtüchtig bekommen haben. Immerhin gab uns das genug Zeit noch weitere Tiere zu töten und aufzubereiten. Wir hätten mehr Salz zum Pökeln mitnehmen sollen.

Tag 76
Wir haben entdeckt, dass eine unserer Proviantkiste mit Schleichender Fäulnis infiziert war. Laut Ulf kommt dies öfters mal vor. Nichts worüber wir uns groß Sorgen machen sollten. Aber es hat uns gezeigt, dass die Gefahren überall lauern. Hätten wir die betroffene Kiste außerdem nicht früher entdeckt, hätten wir einen Gutteil unseres Proviants verlieren können. Das wäre kein schönes Ende für die Karawane geworden.

Tag 80
Nach den Abenteuern der letzten Tage hat wieder die übliche Langeweile eingesetzt. Immer noch folgen wir dem Flusslauf nach Osten. Obwohl wir kaum Kilometer nach Norden machen, scheint es jeden Tag kälter zu werden. Vielleicht kriecht auch langsam die Kälte in den hintersten Knochen. Ich weiß es nicht. Ohne Ulf hätten wir uns auf jeden Fall schon längst verlaufen. Der Pfad von Agenhei ist kaum als solcher zu erkennen. Ich frage mich, wie gut die Straße im Sommer zu sehen wäre?

Tag 82
Das Abenteuer hat uns wieder. Heute haben unsere Späher einen Berg an gefrorenen toten Tieren am Wegesrand gefunden. Rehe, Eisbären, sogar ein Schneeleopard. Die Tiere sind voll und ganz durchgefroren, obwohl sie nur wenige Tage tot sind. Eigentlich sollten sie noch keine kompletten Eisblöcke sein. Ulf erinnerte uns an die Hungrigen Stürme, welche hier im Norden manchmal wüten. Sie scheinen eine gewisse Art bösartiger Intelligenz zu besitzen und alles zu töten was ihnen in den Weg kommt. Es scheint zudem keine Methode zu geben sie zu töten. Fliehen scheint die einzige Option zu sein. Vielleicht hätten wir Ulf besser zuhören sollen, als er uns von den Gefahren des Ewigen Eises erzählt hat? Wären wir dann hierher gereist? Und wofür das alles? Für einen fernen Thron und eine alte Familiengeschichte? Vielleicht wäre eine Hochzeit doch die einfachere Option gewesen. Aber was schreibe ich da…

Tag 83
Wir erreichen eine Kreuzung, auf der sich der Weg gabelt. Zumindest erzählt uns das Ulf, als wir mitten in der Tundra stehen. Er schlägt vor, dass wir einen kurzen Abstecher nach Iqaliat machen. Er hat gute Beziehungen zu dieser Niederlassung. Und sie bietet eine Gute Möglichkeit Vorräte aufzustocken und Neuigkeiten zur Wegbeschaffenheit zu erhalten. Wir stimmen dieser Idee einstimmig zu.

Tag 87
Was für ein Anblick. Iqaliat ist unter einen Felsvorsprung gebaut von dem meterlange Eiszapfen hängen. Im Sommer, so erzählt uns Ulf, ist die Stadt hinter einem Vorhang aus Wasser verborgen. Das ist aber auch das einzig Positive, das es zu berichten gibt. Der restliche Empfang in der Stadt ist durchaus frostig. Die Wachen an der Stadtmauer wollen uns keinen Einlass gewähren. Nur durch Ulf, und sein Amulett der Herdmeisterin Sonavut werden uns die Tore geöffnet. Etwas ist hier im Busch…

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Die Reise nach Westen IV

Höret Kinder des Lonjiku! Gebt Acht Enkel des Rokutso und Erben des Namens Amatastu! Höret und beherzigt was Sushien, das Schwert eurer Ahnen und Hüter des Geheimnis eurer Abstammung zu berichten hat! Einstmals herrschten fünf kaiserliche Familien über das ferne Reich von Minkai, über das Volk erhoben durch das himmlische Mandat der Drachengöttin Shizuru. Es waren dies die gelehrigen und hingebungsvollen Higashiyama, die tief in dunkle Geheimnisse verstrickten Shojinawa, die Sugimata, unter deren Herrschaft Pracht und Wohlstand kein Ende kannten, die ehrenvollen doch kriegerischen Teikoku und nicht zuletzt das Haus von Amatatsu, dessen Blick stets auf den Horizont und die Möglichkeiten dahinter gerichtet war. Ihnen allen legte die Vorsehung die Krone und Zepter der Herrschaft in die Hand! Ein nobles Vorrecht, dass Privileg und Verpflichtung zugleich ist, dass in vielen Bewunderung hervorruft und zu großer Loyalität inspiriert, doch in einigen auch Neid und in der Folge den Hass erweckt.

Schreckliche Dämonen, Oni genannt, blickten neidvoll aus ihren Sphären auf die Pracht Minkais und schmiedeten Plänen im Dunklen. Alt und ohne Tod sind diese Wesen und ihre Kabalen überspannen Zeiträume, die die Vorstellungskraft von Sterblichen übersteigen. Es sind Jahrtausende, die sie sich gedulden und im Verborgenen vorbereiten können. Hierin liegt ihre große Kraft und Heimtücke. Eine mächtige Gruppe dieser Oni, genannt die Oni der fünf Stürme, war es, die methodisch, doch ohne Hast, eine der großen Familien nach der anderen ins Unheil stürzte, bis nur noch Kaiser Higashiyama Shigure in ihrem Wege stand. Ihn stürzten sie ganz zuletzt ins Unglück, so wie es euch das Siegel bereits offenbart hatte. Sollten die fünf Familien jemals komplett vernichtet sein, so würde der Thron Minkais jedem offenstehen, der die Macht oder Verschlagenheit besitzt ihn an sich zu reißen.

Doch sie waren getäuscht und ihre Pläne wurden noch ein letztes Mal an ihrer Vollendung gehindert, dank der List eures Ahnherren Rokutso, der das Siegel der Amatatsus am anderen Ende der Welt verbarg und die Spur seiner Familie im Exil verwischte. Durch das Öffnen der Schutzkiste in Salzwall sind die Räder des Schicksals nun wieder in Bewegung geraten! Gebt euch keinen Illusionen hin Erben von Amatatsu, es wird kein Entkommen für euch aus dieser Verstrickung geben! Ihr könnt eure Abstammung niemals verleugnen und selbst wenn ihr es versuchen würdet, so würden euch die Oni dennoch jagen, denn sie könnten sich ihrer Herrschaft niemals sicher sein solange auch nur einer eurer Nachfahren auf dieser Welt wandelt!

Geht nun und werft den Bösen Geist nieder, der sich der Gestalt von Thorborg Silberskorr bemächtigt hattet, um mich zu rauben und an diesem Ort zu verbergen. Befreit Ulf Gormundr, den einzigen Führer der bereit ist, euch noch in diesem Winter über das Dach der Welt in die alte Heimat zu bringen. Erhebt Anspruch auf euer Erbe oder verzagt und verkriecht euch und wartet, bis die Oni der fünf Stürme euch finden und zur Strecke bringen werden!
Ach ja und eins noch! Ich bin zwar nur ein Schwert, aber ich sehe es sehr deutlich wenn ihr Faxen reißt oder einschlaft während ich dramatische Enthüllungen machen!


Das weithin sichtbare Schild von Thorhilda Thordottir Thorhildudottirs Wein und Spirituosen Emporium schaukelte in der frischen Brise von Karlsgard. Man spürte bereits wie die Kälte des herannahenden Winters vom Dach der Welt kroch, bald würden die ersten Winterstürme beginnen, gefolgt von der langen Finsternis der Polarnacht. Zum Glück bekamen die Karlsgarder davon nur wenig mit, wurden sie doch von den Einwohnern der Lindwurmkönigreiche aufgrund der Lage ihrer Stadt leicht spöttisch als Südländer betrachtet. Heute hatte es das erste Mal geschneit und prompt hielt ein sechsspänniger Hundeschlitten in der Einfahrt. Kurz darauf wurde die Tür des geräumigen Verkaufsraumes aufgestoßen und ein Berg von Fellen trat herein, in dem sich erst bei genauerem Hinsehen ein Tianesische Gesicht ausmachen ließ. Mit Sicherheit ein weiterer Tourist, der meinte nur weil man in den Lindwurmkönigreichen ist, müssen man sich Anziehen als ob man das Dach der Welt überquere, dachte sich Thorhilda und begrüßte den Kunden mit der gewohnten professionellen Freundlichkeit: “Ah eine durstige Kehle aus dem fernen Westen! Was darf ich euch anbieten? Vielleicht etwas aus der alten Heimat? Eine regionale Spezialität? Ein rubinroter Tropfen aus dem Süden, der die Taldorianische Sonne in sich birgt?”
Lus Blick schweifte über die zahllosen Flaschen, Fässer und Karaffen mit verheißungsvollen Namen, die von süßem Rausch kündeten. Für einen Moment wurden seine Augen weich und träumerisch. Dann fasste er sich, blickte Thorhilda ernst ins Gesicht und nickte: “So lasset denn die Sonne Taldors scheinen!” Kaum waren die Worte gesprochen erschien auch schon ein Glas auf dem Verkaufstresen, so schnell wie es nur eine Wein und Spirituosen Fachverkäuferin erscheinen lassen konnte, die die geheimen Sehnsüchte ihrer Kundschaft wie ein offenes Buch zu lesen verstand. Lu nahm einen tiefen Schluck und schloss für einen Moment die Augen. Nur widerwillig kehrte er in die Gegenwart zurück, nickte leicht und sprach mit schwere Stimme: “Das ist ein sehr guter Tropfen, er sollte mich wärmen können, dort wo ich hingehe. Ich nehme vier!”
“Eine ausgezeichnete Wahl”, jubelte Thorhilda und schaffte in Windeseile vier Flaschen des flüssigen Goldes herbei. Lu schaute verständnislos auf die Ware und sprach: “Ihr missversteht… Ich meinte vier Fässer!” Die Wein und Spirituosenhändlerin stutze kurz, unsicher ob der Zahlungskräftigkeit ihres Kunden. Ihr geschäftiges Lächeln kehrte sofort zurück, als Lu einen Beutel Gold auf den Tisch packte. “Aber selbstverständlich, ein Mann wie ihr braucht natürliche vier Fässer”, sprach sie und rief einem Knecht, der bislang gelangweilt den Boden gewischt hatte, etwas unverständlich aber herrisch Klingendes auf Ulfisch zu. Sie wandte sich wieder an ihren Kunden: “Wohin soll die Ware gebracht werden, wir liefern ins gesamte Stadtgebiet und das nähere Umland.”
“Bringt es einfach rauf! Ich nehme es gleich selbst mit”, erwiderte Lu. Thorhilda schaute etwas skeptisch aus dem Fenster auf den Hundeschlitten, dessen Zugtiere wohl bereits genug mit ihrem voluminösen Fahrer zu tun haben dürften. “Seid ihr sicher? Das passt kaum da drauf”, sagte die Händlerin. Lu sah ihren Blick und grinste listig: “Ah! Ich glaube ihr missversteht! Ich bin Selbstabfüller….”

Die Dämmerung brach bereits herein als Lu Amatatsu mit seinem Gespann am Lagerplatz der Karawane direkt vor der Stadt vorbei kam. Trotz der späten Stunde herrschte noch geschäftiges Treiben, denn die Wägen mussten unter hohem Zeitdruck Wetterfest gemacht werden. Jede Ritze wurde abgedichtet, das Innere mit Fellen ausgekleidet, die schmalen Räder wurden durch stabilere Versionen mit wesentlich breiteren Felgen ausgetauscht und der Leitwagen sogar mit einer Panzerung versehen. Zusätzlich musste jede Menge Proviant und Werkzeug verstaut werden, Ulf Gormundr hatte mit seiner umfangreichen Liste an notweniger Ausstattung eine geradezu panische Betriebsamkeit ausgelöst.
Der zukünftige Erleuchtete rief nur ein dröhnendes: „Heda Geschwister!“, worauf ihn ein müdes: „Heda fahrender Pelzberg!“ antwortete. Er fuhr am Lager vorüber und lenkte seinen Schlitten auf einen nahen Hügel, stieg ab und betrachtete das im Norden drohend aufragende Gebirge. Seine Hand wanderte zu dem kleinen Lederbeutel, den er heute Morgen in der Straße der Außerordentlichen Kunsthandwerker gekauft hatte. Er hielt ihn versuchsweise ganz dicht an das Ohr und schüttelte ihn ein wenig. Er meinte ein Gluckern und Rauschen zu hören, was allerdings auch Einbildung sein konnte. Dann führte er den Beutel vorsichtig an den Mund, spitze die Lippen und nahm einen tiefen Schluck. Er nickte zufrieden und flüsterte leise: “Taldorianisches Gold”, während einige rubinrote Tropfen durch seinen Bart perlten.
Dann schaute er wieder herausfordernd Richtung Horizont. Ein Mann, ein Schlitten, sechs Hunde und achthundert Liter Wein. Es könnte gerade so reichen, auch wenn es verdammt knapp wird….

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Die Reise nach Westen III

Es begab sich, dass die Familie Amatatsu die Raureifrennergilde von Karlsgard als ein übles Nest von Banditen enttarnen konnte, das sich wie eine Spinne im Zentrum aller bisher erfahren Hindernisse befand. Die in der Gilde vorgefundenen Geschäftsberichte legten nahe, dass die korrupte Gildenmeisterin Thorborg Silverskorr vor nicht allzu langer Zeit das tief im Grungirwald gelegen Anwesen des Piraten Snorri Steinauge erworben hatten. Derselbe Snorri Steinauge der vor kurzen auf seinem brennenden Schiff in der Bucht von Karlsgard entsorgt wurde und eben jener Grungirwald, bei dessen Kartographierung Ulf Gormundr spurlos verschwunden war, seinerseits der letzte nicht gewerkschaftlich gebundene Reiseführer über das Dach der Welt. Es bedurfte keiner großen Verstandesleistung, um zu dem Schluss zu kommen, dass die Halle des verblichenen Piraten das eigentliche Versteck der Gefrorenen Schatten war; jener Banditenorganisation, die sich hinter der Raureifrennergilde versteckte, das Familienschwert Shushien gestohlen hatte und Ulf Gormundr entweder gefangen hielt oder vielleicht mittlerweile schon auf den Gewissen hatte. Schnell bereiteten sich die jungen Helden auf das neue Abenteuer vor und erreichten von Hungerkrämpfen geplagt und von Erschöpfung ausgezehrt nach zweitägigem Ritt die Halle von Snorri Steinauge. Das Anwesen befand sich auf der Spitze einer steilen Klippe und war nur durch eine unsichere Treppe zu erreichen. Über die örtlichen Gegebenheiten vorgewarnt setzten die Amatasus ihre mitgebrachten Flugtränke ein, um über das Dach des zum Anwesen gehörenden einsamen Turmes einzusteigen. Im Turm mussten sie sich der rabenhaften Tengu-Ninjas der Gefrorenen Schatten erwehren, angeführt durch jenen rotgefiederten Raben, den die Thronerben im Verdacht hatten sie schon seit ihrer Ankunft im Land der Nordmänner auszuspionieren. Mit ihren vergifteten Blasrohrpfeilen waren die Wachen des Turmes zwar kein leichtes aber auch kein unüberwindliches Hindernis, im Gegensatz zu dem Schwarm aus Höllenwespen, der durch eine Unachtsamkeit von Cousine Ese im Alchemielabor der Banditen freigesetzt wurde. Die Amatatsus überließen die Banditen der Gefrorenen Schatten dem Hunger ihrer Haustiere und flüchteten in dem sich ausbreitenden Chaos aus dem Anwesen. Sie kehrten erst einige Tage später zurück, um mit jenen Ninjas kurzen Prozess zu machen, die den Wespenschwarm überlebt hatten. Tatsächlich fand sich in der Halle nur noch geringer Widerstand vor und die Helden konnten so mit Leichtigkeit den Gefangenen der Banditen aus seiner Zelle am Fuß des Turms befreien. Zu ihrer Überraschung fanden sie jedoch nicht Ulf Gormundr sondern einen alten Bekannten vor, nämlich niemand anderen als Lute Haggersbi. Lute Haggersbi war ein Händler, den die letzten Sprösslinge der Amatasu Familie auf ihren Weg Richtung Karlsgard getroffen hatten. Seine Karawane war von einem schlechten Geschick heimgesucht worden und er benötigte etwas Unterstützung, um an sein Ziel zu gelangen, welche die jungen Helden gegen einen geringen Unkostenbeitrag auch gewährten. Danach trennten sich die Wege und der unglückliche Lute ließ sich mit der Raureifrennergilde ein. Er beging den folgenreichen Fehler einer Einladung zur Aufsichtsratssitzung nach Ravenskregg zu folgen und sich dort allzu laut über die Geschäftsbedingungen zu beschweren; darauf vertrauend, dass er es hier mit einer gewöhnlichen Gilde von Reiseführern zu tun hatte. Ehe er sich versah landete er in einem Verließ und wurde dort nicht gerade sanften verhören unterzogen. So tragisch dies auch war, erfuhren die jungen Helden doch nichts von Lute was sonderlich hilfreich war. Bis auf eine Sache. Der ausgezehrte und sicherlich von Wahnvorstellungen geplagte Händler schwor bei allen Göttern, dass er in seiner Gefangenschaft eines Tages von einem Menschenfresser, einem Oger, besucht wurde. Kaum hatte er seine Zelle wieder verlassen hörte er von draußen jedoch die Stimme von niemand anderen als Thorborg Silberskorr, wie sie mit ihren Schergen plauderte! Konnte es tatsächlich sein? Für einen endlos langen Moment trafen sich die schicksalsschweren Blicke der Amatasu Kinder und wanderten dann in Richtung der Kellertreppe, während ein Schatten über ihre Gruppe viel und in der Ferne eine Krähe hämisch zu kreischen schien. Dann rollte Kai mit den Augen, Ionacu tippte sich an die Stirn und Lu nickte mit verzeihendem Langmut während Cousine Ese schon die Hand an die Klinke legte.

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Crime Scene: Kalsgard

Einmal mehr kam er zu der Erkenntnis, dass diese Stadt langsam aber sicher vor die Hunde ging. Detective Horkar Kane nickte der Wache, die den Tatort bewachte, knapp zu und betrat dann mit seinem Adjutanten das Kontor der Raureifrennergilde – schon wieder.

„Was haben wir diesmal?“, fragte er, während er den Blick auf die beiden toten Wachen richtete, die tot auf dem Boden des völlig verwüsteten Konferenzzimmers lagen.

„Die Waffen mit denen die Wachen getötet wurden deuten darauf hin, dass es sich um dieselben Täter wie beim letzten Mal handelt“, erklärte sein Adjudant Eric Delkor und deutete auf die zahlreichen Pfeile und die Schnittwunden, welche die Leichen überzogen. „Diesmal sind sie aber nicht durch die Hintertür hereingekommen, sondern haben ein Fenster aufgebrochen. Da dies niemand gehört hat, müssen sie wohl einen Stille-Zauber verwendet haben. Die Wachen hatten einfach das Pech im falschen Raum zu sein.“

„Sie lernen dazu“, murmelte Horkar, hockte sich neben die beiden Leichen und tippte gegen den Schaft eines der Pfeile die in dem Ulfenmann steckten. Der Schaft und die Federn des Pfeils wippen leicht hin und her. „Weiter.“

„Im Gegensatz zum ersten Einbruch haben diesmal vier der Wachen überlebt. Auch wenn eine davon medizinische Betreuung benötigen wird. Dadurch haben wir aber eine Beschreibung der drei Täter.“

Immerhin hatte es einen Vorteil, dass sie beim Einbrechen besser wurden, dachte sich Horkar. Diesmal hatten sie nur zwei Leichen und keine sechs. Bei seinem letzten Besuch hier, hatte der Kontor einem Schlachthaus geglichen. „Sehr gut. Nehmen sie die Beschreibungen auf und geben Sie sie an alle Wachen der Stadt raus.“

„Bereits gemacht, Sir.“

Horkar stand wieder auf und besah sich das Fenster, durch welches die Täter eingestiegen waren. Es war mit großer Gewalt von außen eingeschlagen worden. Er beugte sich durch den zerbrochenen Rahmen und blickte in den Hinterhof. Der Boden dort sah aus, als wäre etwas schweres, eckiges dort eingeschlagen. „Wurde diesmal denn mehr gestohlen als nur ein paar Bücher?“, erkundigte er sich.

„In der Tat. Anscheinend wussten sie diesmal wo sie suchen mussten. Die Kiste mit den Tageseinnahmen, etwa 4000 Goldmünzen, wurde gestohlen“, bestätigte Eric.

Das erklärte den schweren Abdruck im Dreck. Sie mussten durch die Wachen überrascht worden sein und hatten nicht die Zeit gehabt die Kiste zu öffnen – sie war sicherlich schwer gesichert – und hatten einfach beschlossen sie mitsamt dem Inhalt mitzunehmen.

„Senden Sie Leute aus, Eric, und lassen Sie nach einer Eisenkiste suchen. Die Täter werden sie sicherlich so rasch als möglich irgendwo deponiert haben. Irgendwo in einer Seitenstraße, wo sie etwas Ruhe hatten sie aufzubrechen.“

„Wird gemacht Sir. Aber Sir, da ist noch etwas Merkwürdiges, was Sie sich ansehen sollten.“

Eric führte seinen Chef über den Gang in ein angrenzendes Zimmer. Horkar begutachtete dabei die zahlreichen Löcher in der Wand, die noch vom ersten Angriff stammten. Sie waren das Überbleibsel von zahllosen Pfeilen. Eingetrocknetes Blut, bereits mehr als eine Woche alt, bedeckte den Boden, die Wände und zum Teil sogar die Decke. Und Horkar wusste, dass es oben in den Barracken der Wache noch schlimmer aussah. Seit dem ersten Angriff waren hier unten etliche weitere Kampfspuren hinzugekommen: fehlgeleitete Äxte hatten Ecken aus Türrahmen und dem Treppengeländer geschlagen, Wurfspeere steckten im Boden und an den Wänden; und weiteres Blut war auf der Treppe vergossen worden.

„Was haben wir hier?“, fragte Horkar und ließ seinen Blick durch das einfache Schlafzimmer gleiten. Rasch blieb er an zerschnittenen Fesseln hängen, die auf dem Boden lagen.

„Unsere ersten Untersuchungen zeigen, dass die Tür von außen aufgeschlossen wurde – mit einem Dietrich. Und dann eben diese Fesseln auf dem Boden.“

„Sie haben hier jemanden gefangen genommen?“, vermutete Horkar, wobei er selbst nicht sehr überzeugt klang.

„Unwahrscheinlich“, bestätigte Eric. „Der Kampf hat nicht lange gedauert. Ich würde ja mehr vermuten, dass hier jemand gefangen gehalten und von den Tätern befreit und mitgenommen wurde. Aber die Gilde will nichts davon wissen und hüllt sich in Schweigen.“

„Hm,“, machte Horkar und besah sich das Zimmer noch einmal genauer. In dem Bett hatte eindeutig jemand geschlafen. Die Fesseln deuteten darauf hin, dass dieser Jemand ans Bett gefesselt gewesen war. Äußerst mysteriös. Er untersuchte das Bett weiter, während er weiter Fragen an seinen Adjutanten richtete und seine Gedanken weiter mitteilte. „Was mich verwundert, Eric, ist ja. Warum die Stadtwache nicht eher hier war. Hat die Gilde nicht dieses tolle Alarmsystem mit dem farbigen Rauch im Kamin?“

„Hat sie“, bestätigte Eric. „Aber es konnte nicht funktionieren. Die Angreifer haben zuvor eine tote Katze in den Schornstein gestopft und so den Rauchabzug blockiert.“

„Sie haben, WAS?“ Es gab wenig was Horkar in seinem Beruf noch überraschte, aber das gehörte eindeutig dazu. „Mit was für Psychopathen haben wir es denn hier zu tun?“

„Ich weiß es nicht, Sir…“, beantwortete Eric die rhetorische Frage.

Eine Stadtwache steckte den Kopf durch die Tür: „Sir, wir haben die Kiste gefunden. Vielleicht wollen Sie sich das mal ansahen?“

Horkar nickte. Gemeinsam gingen sie nach draußen und die Wache lenkte sie durch einige schmale Gassen der Stadt. Horkar nutzte die Zeit um die letzten beiden Wochen Revue passieren zu lassen: ein toter Jarl (mitsamt toter Familie und getöteten Wachen; absolut seltsam), ein verschwundener Guide (der beschäftigte ihn aber ehrlicherweise nur am Rande; wahrscheinlich eine gildeninterne Sache), eine angeblich verschwundene Varki (beschäftigte ihn noch weniger), eine Attentäterin (die einen Mitreisenden aus einer Karawane fast getötet hatte; durchaus seltsam) und acht tote Wachen bei zwei Angriffen auf einen angesehenen Kontor. Wo waren die Zeiten hin, in denen das Reich der Ulfen frei von solchen Dingen gewesen war und in denen Nachbarn dafür gesorgt hatten, dass es gar nicht so weit kam.

Der Mann der Stadtwache brachte sie in eine schmale Sackgasse, an deren Ende eine aufgebrochene schwere Eisentruhe stand. Blutige Abdrücke an der Truhe und Blut auf dem Boden zeigten, dass die Angreifer hier mehr Zeit verbracht hatten – und auch, dass sich die Wachen der Gilde zu wehren gewusst hatten. Horkar musste nur einen kurzen Blick auf die Truhe werfen um festzustellen, dass sie hier nicht mehr lernen würden. Sie war komplett leergeräumt.

„Wie es aussieht, haben die Einbrecher alle 4000 Goldmünzen sorgfältig ausgeräumt“, sagte Eric.

„Es würde mich sehr wundern, Eric, wenn in dieser Kiste nur Gold gewesen wäre. Aber das Letzte was die Gilde tun wird, ist uns zu sagen, was sich noch darin befunden hat. Und wir werden es wahrscheinlich auch nie herausfinden.“

Damit drehte er sich um und kehrte wieder zum Hauptsitz der Gilde zurück.

In der Zwischenzeit in einer namenlosen Karawane.

Lagertha und Ese verbrachten Stunden damit sich durch die Dokumente zu arbeiten, die sie in der Schatzkiste des Gildenhauptquartiers gefunden hatten. Sie erwiesen sich als deutlich inhaltsreicher als die Bücher, die sie bei ihrem ersten Einbruch in die Gilde mitgehen hatten lassen.

Die erste interessante Erkenntnis war, dass das Langschiff Arils Hammer eigentlich im Besitz der Raureifrennergilde war. Es war jedoch an einen gewissen Jarl Langzahn vermietet worden – zu sehr günstigen Konditionen. Derselbe Jarl war auch angeheuert wurden um eine tianesische Antiquität zu akquirieren; es brauchte keine große Kombinationsgabe um von diesem Auftrag auf den Diebstahl des Familienschwerts zu kommen.

Weiters zeigte sich, dass die Raureifrennergilde in letzter Zeit mehrere größere finanzielle Transaktionen nach „Rabenskreg“ gemacht hatte. Alle diese Transaktionen waren von Silberskorr persönlich freigegeben worden. Es schien, als würde ihr dieser Ort besonders am Herzen liegen.

„Jetzt müssen wir nur mehr herausfinden, was dieses Rabenskreg ist, und wo man es finden kann“, stellte Lagertha fest. „Ich bin mir sicher, dass wir dort sowohl Ulf, als auch unser Schwert finden werden.“

„Fragen wir doch Ionacu!“, schlug Ese vor.

- – - – -

Ionaco versorgte fürsorglich die zahlreichen Wunden von Uksahkka, die sie aus den Fängen der Raureifrennergilde befreit hatten. Natürlich war sie dabei vollends nackt – so wie er auch.

„Ionacu…“, sagte Eso, als er das Zelt betrat.

In einer mittlerweile sehr gut einstudierten Bewegung rollte sich Ionacu von Uksahkka herab, bedeckte das notwendigste mit einer Decke und blickte seinen Cousin böse an. „Hat man denn hier nie seine Ruhe?!“

„Entschuldigung, aber wir müssen herausfinden wer oder was Rabenskreg ist. Wir dachten, du könntest uns weiterhelfen.“

„Natürlich weiß ich was Rabenskreg ist“, erwiderte Ionacu, immer noch etwas sauer. Missmutig stellte er fest, dass sich Uksahkka die Decke bis ans Kinn hochzgezogen hatte – schade, ohne war der Anblick besser gewesen. „Rabenskreg ist die Halle des verrückten Jarl Steinauges. Sie befindet sich zwei Tagesmärsche südlich von Karsgard, am Rande des Waldes. Man kann sie nur über eine lange Treppe erreichen – oder fliegend. Es heißt, dass niemand, der noch alle Tassen im Schrank hat freiwillig nach Rabenskreg geht. Das galt besonders in der Zeit, als sie noch von Jarl Steinauge kontrolliert wurde.“

„Rabenskreg?“, fragte Uksahkka nach. „Man hat mir angedroht mich nach Rabenskreg zu bringen. Denkt ihr, dass wir dort auch Ulf finden werden?“

„Es gibt nur eine Möglichkeit das raus zu finden: Wir müssen dorthin!“, stellte Ionacu entschieden fest. „Aber jetzt: Raus ihr beiden!“ Dabei deutete er auf Ese und Lagertha, die das Zelt rasch wieder verließen.

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Eine kurze Zusammenfassung

Leider habe ich keine Zeit mehr das auszuschmücken, weil gleich mein Flug geht, aber ich versprach eine Zusammenfassung zu schreiben!

Da Kai nach dem Ausflug in die Sake Hallen des Jadeviertels der Kopf dröhnte und sie von großer Übelkeit ergriffen ward, machten sich Lu, Ionacu und Cousin Ese am nächsten Tage allein auf, um den Hof von Jarl Aswik Langzahn zu besuchen. Kelda Oschenschlächter begleitete sie, da man sich von ihren sonstigen Qualitäten überzeugen wollte. Die Mitnahme eines Packesels sorgte dafür, dass auf der langen und kräftezehrenden Expedition (ca. 2 Tage) für das leibliche Wohl gesorgt war und niemand darben musste.
Am Hof angekommen zeigten sich die Männer des Jarls wenig gastfreundlich und nicht zu Späßen aufgelegt. Aufgrund des Todes eines berühmten Plünderers namens Snorri Steinauge befand man sich inmitten der Vorbereitungen zu einer Totenfeier und schickte die Abenteurer unverrichtete Dinge wieder fort. Diese versteckten sich im nahen Wald und warteten auf den Anbruch der Dämmerung, um des Nachtens den Hof zu infiltrieren. Dies artete in einen großen Kampf aus, an dessen Ende der Hof der Hof verwüstete und der Jarl gefangen genommen ward. Die Befragung des Jarls nahm ein überraschendes Ende, als diesem der Kopf explodierte, gerade als er sich bekennen wollte. Der gerade gelesen Satz ist korrekt. Das passierte tatsächlich. Von einem Diener konnte man jedoch in Erfahrung bringen, dass der Reiseführer Ulf Gormuder, dessen Verbleib man eigentlich klären wollte, angeblich das Schicksal Snorris teilen sollte. Als die Gruppe erfuhr, dass Snorri nach Ulfen Tradition auf seinem Schiff verbrannt werden würde, vermutete man dass auch Ulf auf diese Weise zum Verschwinden gebracht werden sollte.
Die Amatatsus machten sich also auf, das Begräbnisschiff zu entern wenn dieses aus dem Hafen ausfahren würde. Auf dem Schiff entdeckte man die schreckliche Wahrheit, dass Snorri zwar einerseits Tod aber gleichzeitig auch gewissermaßen noch lebendig war. Er war zu einem Untoten geworden, was von seinen Verwandten offenbar als im zweifelfall eher Tod interpretiert wurde, weshalb man den Ghoul auf dem Schiff angekettet hatte. Die Abenteurer erlösten den Untoten Snorri endgültig von seinem Schicksal, fanden aber auf dem Begräbnisschiff keinerlei Hinweise auf Ulf Gormunder. Stattdessen wurden sie plötzlich von einer Gruppe Ninjas angegriffen, deren man sich auf dem mittlerweile brennen Schiff erwehren musste. Bei den toten Ninjas fand man Rabenstatuen aus Jade. Diese konnten zurück in Karlsgard als die Wahrzeichen der Diebesgilde der Gefrorenen Schatten identifiziert werden. Diese sind mit den Onis der fünf Stürme verbündet und betreiben die Reiseführergilde genannt Raureifrenner Gilde als Frontorganisation. Es geschah aber noch das Folgende: Ein auf dem Totenschiff Snorris gefundener Helm mit Flügeln entpuppte sich als ein als fliegender Helm getarnter, bzw. grundsätzlich in dieser Form in Erscheinung tretender Externar namens Helgawall. Auch dieser Satz ist war, das passierte tatsächlich!
Die Gruppe wurde daher bei der Gilde der Reiseführer vorstellig und versuchte einen Vertrag plus ein Treffen mit der Anführerin Thorbog Silberskor auszuhandeln. Lu findet, dass der Name der Anführerin wie eine Biermarke klingt. Es gelang das Interesse der Raureifrenner zu wecken und diese versprachen sich in den nächsten Tagen zu melden. Selbstverständlich würden die Amatatsus nicht darauf warten und beschlossen demnächst des Nachts ihren Besuch bei der Gilde zu widerholen.

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Die Schönheiten und Mysterien von Kalsgard

Was für eine Stadt! Karlsgad mit all seinen Wundern und Möglichkeiten hat mich verzaubert! Nie hätte ich gedacht all diese Dinge zu sehen, die ich in den letzten beiden Tagen erleben durfte. Wie verschwendet war mein bisheriges Dasein in meiner kleinen Heimatgemeinde Sandspitze. Wenn ich das früher geahnt hätte, hätte es keiner drohenden Hochzeit bedurft um das Dorf zu verlassen.
Aber ich schweife ab.

Unsere Abreise aus Salzwall verlief ohne Probleme. Alle waren einverstanden weiter nach Norden zu reisen, nach Karlsgad, um dort herauszufinden was mit dem alten Familienschwert Suishen passiert ist, welches Großvater dort an den Händler Svin Sneewald verkauft hatte.

Kurz nach unserem Aufbruch bemerkten wir, dass wir von einem Schwarm von Krähen verfolgt wurden. Diese wiederum wurden von einem roten Farben angeführt; angeblich einem Anzeichen für ein böses Omen – wenn man den abergläubischen Ulfen glauben schenken mag. Wir beschlossen dieses merkwürdige Vorkommnis zu ignorieren.

An der Skalsbrücke gab es den einzigen Zwischenfall der Reise. Während wir uns gerade zur Rast bereitmachten fiel ein fast schon übernatürlicher Nebel über uns herein. Kurz darauf war das Anlanden eines Schiffes am Ufer des Flusses, das Trappeln von Füßen, das Klirren von Kettenhemden und zuletzt die wütenden Kampfesrufe von Ulfen zu hören. Der Kampf war kurz, aber heftig. Einen Ulfen konnten wir gefangen nehmen, aber er war nur von geringer Hilfe. Er wurde in einer Taverne in Kalsgard angeheuert – ebenso wie all die anderen Ulfen die nun tot am Boden lagen. Der einzige Anhaltspunkt den wir hatten, war ein goldenes Armband, welches mit Löwen verziert war. Anscheinend das Emblem eines kleinen Jarls; aber mehr auch nicht. Nachdem wir das erfahren hatten, ließen wir ihn laufen.
Auf der restlichen Strecke nach Karlsgard hatten wir Zeit über diesen Hinterhalt nachzudenken. War der Überfall Zufall gewesen, oder war uns jemand auf den Fersen? Wir würden es wohl herausfinden müssen…

In Karslgard machten wir uns daran Sneewald zu suchen und zu finden. Das erwies sich als gar nicht so einfach, führte uns aber zu einigen interessanten weiteren Orten. Etwa mich in das Vergnügungsviertel. Was mich zum Anfang meines Berichts zurückführt: Wer hätte geahnt, dass man sich Liebe einfach kaufen kann! Wieviel Zeit hätte ich mir sparen können, wenn es so etwas in Sandspitze geben hätte.

Dieses Erlebnis gab mir auch die Selbstsicherheit Gelda endlich anzusprechen, wie Ulfen angesprochen werden wollen. Eine Entscheidung, die ich nicht bereuen sollte. Da wir beide es lieber ungezwungen haben, einigten wir uns darauf Freunde mit gewissen Vorzügen zu bleiben. Außerdem sollte es auf der Krone der Welt ja sehr kalt sein; vielleicht wäre dort nachts ein warmer Körper durchaus von Vorteil!

Am nächsten Morgen fanden wir schließlich auch unseren uralten Händler. Er konnte sich noch gut an Großvater und auch an das Schwert erinnern. Besonders an letzteres: Wurde es ihm doch erst vier Tage zuvor gestohlen!

Ganz nebenbei gelang es uns auch einen potentiellen Guide für den Weg über die Krone der Welt aufzutreiben: Ulf Gormundr. Wir fanden aber zuerst seine Geschäftspartnerin, eine Varki namens Uksahkka. Schwer betrunken erzählte sie uns, dass Ulf zur Farm des Jarl Asvig Langzahn ausgezogen war, aber nie zurückgekommen ist.

Auf denselben Jarl hatten bereits andere Dinge hingewiesen. Wie es aussah, steckte er auch hinter dem Angriff auf unsere Karawane. Mehr als genug Gründe um einen kleinen Ausritt zu organisieren und sich diese Farm und diesen Jarl mal genauer anzusehen.

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Die Reise nach Westen II

So trug es sich zu, dass die Kaijitsus früh am übernächsten Tag nach Norden aufbrachen. Auf dem Wege Richtung Salzwall konnten sie bereits einiges über das Leben in einer Handelskarawane lernen, insbesondere Ionacu zeigte beachtliches Talent darin, die mitgeführten Waren gewinnbringend zu verkaufen. Als die Karawane sich schließlich dem seit vielen Jahren schon in Ruinen liegenden ehemaligen Handelsposten näherte, begannen sich plötzlich seltsame Dinge zuzutragen. Von einer unerwarteten Müdigkeit ergriffen suchte Lu eines Abends schon früh sein Lager auf, nur um im Schlaf wirre Dinge zu flüstern. Kai hörte ihn sprechen, doch konnte sich keinen Reim darauf machen und holte daher geschwind Ameiko herbei. Dies war eine gute Wahl, denn nur Ameiko hatte sich bislang die Mühe gemacht, sich mit der Sprache der alten Heimat vertraut zu machen und stellte auch tatsächlich fest, dass Lu Tien sprach. Ameiko konnte daher verstehen was da im Schlaf gemurmelt wurde, was die Angelegenheit jedoch nur noch merkwürdiger machte, denn eigentlich sollte Lu selbstverständlich gar nicht in der Lage sein in dieser Sprache zu sprechen. Die Worte die er immer wieder flüsterte lauteten folgendermaßen:

Ein Schatz liegt hinter zwei Siegeln im dritten Gewölbe verborgen!
Sei auf der Hut vor den Vögeln die fliegen wollen aber nicht können!
Ein Schlüssel ist im Besitz des Zehnhändigen, seine Furcht ist euer Verbündeter!
Habt Acht vor dem gehörnten Kuckuck, suche Zuflucht in seiner Liebe!
Großvater lauert im Dunklen, doch er vergaß wer er ist!

Mit einem unguten Gefühl im Bauch und trotz der Übersetzung durch Ameiko zunächst nicht viel schlauer, machten sich die vier Abenteurer am nächsten Morgen auf, um ihr lange verschollenes Erbe zu erforschen. Die Stadt Salzwall selbst war nur noch eine verlassene Ruinenlandschaft, einzig der örtliche Friedhof schien gut gepflegt zu sein. Die Erklärung dafür war die Anwesenheit der Fee Spivy, der es nach dem Tod ihrer Meisterin an Orientierung in der großen weiten Welt ermangelte und die sich selbst in der Grabpflege eine neue Aufgabe gesetzt hatte. Den Kaijitsus machte es daher keine große Mühe die Kreatur für eine Fahrt in ihrer Karawane zu begeistern. Nach dieser Begegnung lenkte die Abenteurer ihre Schritte Richtung der Burg, nicht ohne auf das kleine Ulfische Drachenboot im Hafen aufmerksam zu werden, das dort noch nicht lange liegen konnte. Ihre neue Gefährtin Spivy bestätigte zudem, dass die dazugehörigen Nordleute vor wenigen Tagen hier angelandet waren und zur Burg gingen, jedoch nie wieder hervor kamen. Sehr wahrscheinlich ereilte sie dort ein wenig beneidenswertes Schicksal.
Kaum hatten die Helden die Burg betreten, bekamen sie eine Vorstellung davon, was den Ulfen widerfahren war und konnten sich auch einen Reim auf den ersten Teil der Prophezeiung machen. Tatsächlich war die Anlage weit weniger ausgestorben als gedacht und wimmelte von Corbys, flugunfähigen Rabenmenschen, deren Anführer seine ehemalige Geliebte Hörner aufgesetzt hatte. Was genau jedoch die Furcht des Zehnhändigen war wird für immer ein Geheimnis bleiben, denn die tentakelbewehrte Monstrosität, die im Keller lauerte, zeigte keinerlei Anzeichen von Angst vor irgendetwas und stellte die Fähigkeiten der jungen Helden auf eine harte Probe. Ihr Einsatz wurde jedoch belohnt, denn sie erkämpften sich so nicht nur den Besitz zweier Sigelsteine, die die Schlüssel zur Gruft von Burg Salzwall darstellten, sondern konnten auch Kelda Ochsenschlächter, die einzige Überlebende der gescheiterten Ulfen Expedition, aus einem finsteren Verließ befreien. Die amazonenhafte Schönheit verliebte sich sogleich unsterblich in den bescheidenen Ionacu, das ihr eigene, raue Naturell der Nordleute erlaubte es jedoch nicht dies allzu offen zu zeigen. Die vierte und fünfte Prophezeiung offenbarten sich beim Betreten der Gruft. Denn tatsächlich erschien den vier Kaijitsus Sprösslingen hier der Geist des legendären Familienoberhaupts Rokutso, der die Sippe einst unter geheimnisumwitterten Umständen fort aus der alten Heimat nach Varisia gebracht hatte und hier den Grundstein für ein neues Leben im Exil legte. Die Erscheinung hauste hier unten in dunklem Vergessen, doch kaum riefen die drei Enkel und ein Großneffe den Namen ihres Vorfahren, hellten sich dessen Augen auf und er erkannte sie wider. Er deutet auf eine Stelle des Gemäuers, wo sich eine versteckte Kammer mit dem Erbe seiner Nachfahren verbarg und konnte so endlich Frieden finden und seine Untote Existenz erleichtert beenden. In der Kammer befanden sich neben wertvollen Erbstücken der Familie, auch die geheimnisvolle Schutzkiste die Lonjiku in seinem Brief erwähnt hatte. Voll Ungeduld öffneten die Abenteuer sogleich die Truhe und fanden darin das Siegel der Familie vor. Kaum war die Schutzkiste geöffnet als die vier Abenteuer plötzlich eine Vision überkam.
Sie fanden sich fortgetragen in Zeit und Raum und sahen sich einer Flut aus Bildern ausgesetzt, die gleichermaßen einer verborgenen Vergangenheit und einer ungewissen Zukunft entstammten. Aus großer Höhe sahen sie ein unbekanntes Land, doch spürten sie die innere Gewissheit, dass dies Minkai, die alte Heimat ihrer Familie sein müsse, obwohl niemand von ihnen je dort gewesen war. Sie sahen eine Armee, die über friedlichen Menschen herfiel und sich dabei unversehens in dämonenhafte Gestalten wandelte. Gleich darauf sahen sie einen in kaiserlichen Roben gewandeten Mann bei einem Brunnen stehen. Unvermittelt trat ein weiterer Mann hinzu, der sein bester Freund war. Plötzlich wandelte sich auch dieser zu einem Ungeheuer und streckte den Kaiser heimtückisch nieder. Als nächstes sahen sie ihren Großvater Rokutso in einer fremden Stadt, er verkaufte das Familienschwert Sushien an einen Ulfischen Händler. Der Name der Stadt war Karlsgard und der Name des Händlers war Fin Schneeson. Die letzte Vision jedoch war von größter Bedeutung und nahm für jeden der vier eine leicht andere Form an. Jeder der vier Abenteurer sah sich auf den Kaiserthron Minkais sitzen, wissend dass sein wahrer Familienname Amatatsu war und das dies eine der fünf kaiserlichen Familien war. Doch dies war nicht alles. Auf magische Weise wurde den letzten Kaisererben auch die volle Bedeutung des Siegels bewusst. Dieses war nicht nur ein Kleinod, das ihren Herrschaftsanspruch legitimierte sondern auch ein potenter magischer Gegenstand, der wie ein Leuchtfeuer für alle strahlte, die auf magische Weise danach Ausschau hielten. Eine Eigenschaft die nur durch die treffend benannte Schutzkiste unterdrückt wird. Sogleich Schlugen sie den Deckel wieder zu, doch wer immer und wo immer Wacht gehalten hatte in all den Jahren, musste gesehen haben dass das Siegel sich in Salzwall befand und wieder in Besitz genommen wurde.
In dieser Form vom Schicksal auserkoren kehrten die vier Sprösslinge der letzten kaiserlichen Familie Minkais wieder in ihr Lager zurück, um sich zu beratschlagen. Es bedurfte keiner langen Debatte, um zu entscheiden, dass die Familie Amatatsu Sushien wieder gewinnen und herausfinden musste wer die Familie einstmals aus Minkai Vertrieb und ihr noch immer nach dem Leben trachtete. So setzte sich die Karawane Richtung Norden in Bewegung, wissend dass der verborgene Feind der Familie, wer immer es auch sein sollte, bereits durch das Öffnen der Schutzkiste erneut geweckt worden war.

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Die Reise nach Westen I

In den unruhigen Zeiten, da der Thron des Drachenreichs von Minkai in die Hände despotischer Herrscher gefallen war, mussten vier junge Abenteurer vom anderen Ende der Welt ihre Heimatstadt, wo sie so manche tolle Streiche gespielt hatten, für immer verlassen. Wie beides zusammenhängt, sollte ihnen in der Stunde des Abschieds noch nicht gegenwärtig sein und auch der werte Leser dieser Zeilen wird sich noch einige Seiten lang gedulden müssen, bis die Fäden zu einem Muster gewebt sein werden.
Es begann als Ameiko Kaijitsu, die Nichte des unlängst verstorbenen Lonjiku Kaijitsu, ihre vier Cousins in ihrem Gasthaus versammelte und ihnen eröffnete, dass die Spiele der Jugend jetzt ein Ende haben müssen und es an der Zeit sei, erwachsen zu werden. Dies verkündete sie nicht ohne Grund, war doch der schlechte Mönch Lu Kaijitsu ein notorischer Trunkenbold und Vielfraß, sein Bruder Ionacu Kaijitsu ein Schürzenjäger und sein Cousin Ese Sun ein Tunichtgut und Dilettant. Einzig die kürzlich herbeigereiste Schwester Kai Kaijitsu hatte es bereits zu etwas gebracht, wofür ihr Leben in der Fremde nicht unerheblich gewesen sein dürfte.
Ameiko hieß die vier, sich um ihre Heimatstadt verdient zu machen und die Goblins aus dem nahe gelegenen Salzstengelsumpf zur Rechenschaft zu ziehen. Diese malträtierten die Reisenden seit geraumer Zeit mit gefährlichen Feuerwerkskörpern und machten so die Wege rund um Sandspitze unsicher. Ameiko wollte ihren Sipplingen zwar durchaus eine Lektion erteilen, doch wollte sie sicherlich nicht, dass ihnen Unheil geschähe. Daher verpflichtete sie die im Dorf bekannte Waldläuferin Shalelu dazu, auf ihren Anhang acht zu geben.
Mit raschen Schritten zogen die vier Kaijitsu Geschwister mit ihrer Beschützerin davon und betraten alsbald den nahegelegenen Sumpf. Es dauerte nicht lange, da hatten sie das Dorf der Goblins ausfindig gemacht und konnten sich das erste Mal als echte Helden beweisen. Sie erteilten den Feuerteufeln eine ordentliche Lektion, während Shalelu dem Treiben zuschaute, bereit einzugreifen sollte das ganze außer Kontrolle geraten. Neugierig darauf, wie solch einfach gestrickte Kreaturen wie Goblins an Feuerwerk geraten konnten durchsuchten die Abenteurer die Lagerhäuser der Geschöpfe und wurden alsbald fündig. Ein Fächer aus Elfenbein war den Kreaturen irgendwie in die Hände geraten und darauf war ein versteckter Ort im Sumpf markiert. Von Entdeckerdrang gepackt zogen Lu, Kai, Ionacu und Ese weiter und erreichten alsbald eine Höhle in den Klippen. Shalelu hieß ihnen Acht zu geben und Vorsicht walten zu lassen, doch die vier riefen: „Nun, da wir hier sind wollen wir auch das ganze Geheimnis erfahren“ und schritten mutig voran. Tief in der Grotte entdeckten sie schließlich eine alte aus dunklem Kirschholz gefertigte Truhe, die schon seit vielen Jahrzenten hier im Sand ruhen musste. Auf der Truhe saß, wie zur ewigen Wache bereit, ein Skelett in voller Rüstung. Ionacu war am vorwitzigsten und schritt nahe an den Toten heran und berührte ihn an der Stirn. Welch ein Graus, als dieser plötzlich aus seiner Ruhe erwachte und sich erhob. Anstelle von Augäpfeln brannten blaue Flammen in den leeren Augenhöhlen des Kriegers. Er deutet mit einem skelettierten Finger auf den im Schrecken erstarrten Ionacu und schleuderte ihm eine Herausforderung in einer unbekannten Sprache entgegen. Schnell sprangen die kriegerische Kai und der listige Ese Sun herbei und hieben von beiden Seiten auf den Untoten ein, gerade zur rechten Zeit, sonst wäre es Ionacu wohl übel ergangen. Nachdem der Wächter überwunden war, wurde es Lu bang im Herzen, wusste er doch, dass vor vielen Jahrzehnten große Teile der Familie bei einem Schiffsunglück starben und der Großvater Rokutso seither nie mehr gesehen ward. Nicht, dass sie gerade dem Geist des Ahnherrn ihrer Familie begegnet waren und diesen saftig verprügelt hatten! Lu sollte mit seiner Vermutung nicht richtig aber auch nicht vollständig falsch liegen, denn die Truhe auf der der Krieger saß, enthielt tatsächlich einen Brief ihres Großvaters, der sich an ihren Vater Lonjiku richtete.
Die vier Geschwister drängten sich um Lu während er vorlas, was ihr Großvater damals zu sagen hatte. Rokutso entschuldigte sich wortreich für seine harsche Reaktion auf ein Fehlverhalten ihres Vaters, dieser hatte wohl einmal ohne zu wissen was er tat einen Blick in die Schutztruhe der Familie gewagt. Man konnte sich keinen Reim darauf machen, was er dort gesehen hatte doch es war klar, dass es Großvater erzürnte, da Lonjiku sich dadurch in Gefahr gebracht hatte. Rokutso fuhr fort zu erklären, dass er beabsichtigte die Truhe in den Gewölben unter der Festung Salzwall zu verstecken und dort gegen geheimnisvolle Feinde der Familie zu kämpfen. Erst wenn dies getan war, wollte er zu Lonjiku nach Sandspitze zurückkehren. Was wie jeder wusste nie geschehen war.
Erschüttert von dieser Enthüllung eilten die vier Gefährten zurück zu Ameiko, um der Cousine zu berichten. Schnell war man sich einig, dass man dieses Geheimnis nicht auf sich beruhen lassen konnte. Wenn schon nichts anderes, so verlangte es doch die Ehre der Familie, sich um diese Angelegenheit zu kümmern. Ameiko wusste auch schnell Rat, wie man die Sache angehen könnte, war sie doch ihrerseits die Älteste unter ihnen und hatte bereits einmal ein Leben als Abenteurerin geführt, bevor sie in Sandspitze sesshaft wurde. Es viel ihr nicht schwer ihre Beziehungen einzusetzen und der Kaijitsu Sippe einen Platz in der Karawane ihres Freundes Sandru zu verschaffen, der demnächst wieder nach Norden aufbrechen wollte. Seine Route führte mit einem kleinen Umweg in der Nähe von Salzwall vorüber. Die vier Geschwister waren begeistert von dem Plan, denn ihr Abenteuer hatte mittlerweile Lust auf mehr geweckt, zudem hatte ein jeder auch einen persönlichen Grund dazu, diese Gelegenheit war zu nehmen, um aus Sandspitze fort zu kommen.
Lu war bislang nur mäßig erfolgreiche darin gewesen, seinen Orakelspruch in die Tat umzusetzen und die Pilgerreise anzutreten die ihm große Erleuchtung verheißen hatte. Ionacu drohte in Sandspitze demnächst zum Ehemann gemacht zu werden, wurde er doch mit einer örtlichen Schönheit in eindeutiger Lage erwischt und musste der Schicklichkeit wegen der Heirat zustimmen oder mit schlimmen Konsequenzen rechnen. Ese Sun wollte ohnehin nicht das Handwerk seines Vaters übernehmen und hatte mittlerweile einen Narren an Shalelu gefressen, die ebenfalls mitkommen wollte. Kai hatte in Sandspitze dem Toten Vater die letzte Ehre erweisen können und jeder Schritt nach Norden zurück in die Lindwurmkönigreichen war für sie ein Schritt in die richtige Richtung.
So brachen die Kaijitsus früh am übernächsten Tag nach Norden auf. Auf dem Weg Richtung Salzwall konnten sie einiges über das Leben in einer Handelskarawane lernen, insbesondere Ionacu zeigte beachtliches Talent darin, die mitgeführten Waren gewinnbringend zu verkaufen. Als die Karawane sich schließlich dem seit vielen Jahren schon in Ruinen liegenden, ehemaligen Handelsposten näherte, begannen sich plötzlich seltsame Dinge zuzutragen. Von einer unerwarteten Müdigkeit ergriffen suchte Lu an einem Abend früh sein Lager auf, nur um im Schlaf wirre Dinge zu flüstern. Kai hörte ihn sprechen, doch konnte sich keinen Reim darauf machen und holte daher Ameiko herbei. Nur Ameiko hatte sich bislang die Mühe gemacht, sich mit der Sprache der alten Heimat vertraut zu machen und stellte fest, dass Lu Tien sprach. Ameiko konnte daher verstehen was gesagt wurde, was die Angelegenheit jedoch nur noch merkwürdiger machte, denn eigentlich sollte Lu natürlich gar nicht in der Lage sein in dieser Sprache zu sprechen. Die Worte die er immer wieder wiederholte lauteten folgendermaßen:

Ein Schatz liegt hinter zwei Siegeln im dritten Gewölbe verborgen.
Sei auf der Hut vor den Vögeln die fliegen wollen aber nicht können.
Ein Schlüssel ist im Besitz des Zehnhändigen, seine Furcht ist euer Verbündeter
Habt Acht vor dem gehörnten Kuckuck, suche Zuflucht in seiner Liebe.
Großvater lauert im Dunklen, doch er vergaß wer er ist.

Mit einem unguten Gefühl und trotz der Übersetzung durch Ameiko zunächst nicht viel schlauer machten sich die vier Abenteurer am nächsten Morgen auf, um ihr lange verschollenes Erbe zu erforschen.

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Welcome to your campaign!
A blog for your campaign

Wondering how to get started? Here are a few tips:

1. Invite your players

Invite them with either their email address or their Obsidian Portal username.

2. Edit your home page

Make a few changes to the home page and give people an idea of what your campaign is about. That will let people know you’re serious and not just playing with the system.

3. Choose a theme

If you want to set a specific mood for your campaign, we have several backgrounds to choose from. Accentuate it by creating a top banner image.

4. Create some NPCs

Characters form the core of every campaign, so take a few minutes to list out the major NPCs in your campaign.

A quick tip: The “+” icon in the top right of every section is how to add a new item, whether it’s a new character or adventure log post, or anything else.

5. Write your first Adventure Log post

The adventure log is where you list the sessions and adventures your party has been on, but for now, we suggest doing a very light “story so far” post. Just give a brief overview of what the party has done up to this point. After each future session, create a new post detailing that night’s adventures.

One final tip: Don’t stress about making your Obsidian Portal campaign look perfect. Instead, just make it work for you and your group. If everyone is having fun, then you’re using Obsidian Portal exactly as it was designed, even if your adventure log isn’t always up to date or your characters don’t all have portrait pictures.

That’s it! The rest is up to your and your players.

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